Als Mitte Juli 2025 die Lage in der syrischen Provinz Suweida eskalierte, veränderte sich das Leben vieler Menschen innerhalb weniger Tage grundlegend. Schüsse hallten durch die Stadt, improvisierte Kontrollpunkte entstanden, Granaten trafen Wohnviertel. Was zunächst nach vereinzelten Spannungen aussah, entwickelte sich rasch zu einer Welle von Angst, Vertreibung und Unsicherheit – mit besonders gravierenden Folgen für Frauen.
Eine von ihnen ist Maha (Name geändert). Im achten Monat schwanger versuchte sie, sich auf die Geburt ihres Kindes vorzubereiten, während draußen die Gefechte näher rückten. Als Granaten in der Nachbarschaft einschlugen und Familien hastig flohen, blieb ihr kaum eine Wahl: Keller statt Kreißsaal, Angst statt Vorfreude. Der extreme Stress, fehlende medizinische Versorgung und tagelange Unsicherheit führten schließlich zu vorzeitigen Wehen. Ihr Sohn kam mit Komplikationen zur Welt, in einem überlasteten Krankenhaus, während draußen weiter geschossen wurde. Mahas Geschichte steht stellvertretend für das Leid von tausenden drusischen Frauen in diesen Tagen – und bis heute.
Aus genau dieser Erfahrung heraus entstand wenige Wochen später etwas Neues: das ehrenamtliche Frauenteam „Laith“ („Löwe“). Sieben junge drusische Frauen gründeten die Initiative am 1. September 2025, nachdem auch ihr eigenes Leben durch die Ereignisse im Juli aus der Bahn geraten war. Ihre Studiengänge mussten pausieren, Zukunftspläne zurückgestellt werden. Stattdessen entschieden sie sich bewusst dafür, ihre Zeit und Kraft anderen zu widmen.
Heute sind die jungen Frauen von „Laith“ im gesamten Stadtgebiet Suweidas aktiv. Sie arbeiten eng mit betroffenen Gemeinschaften zusammen und unterstützen vor allem vertriebene Frauen, schwangere Frauen und junge Mütter, die unter extrem schwierigen Bedingungen in Notunterkünften leben. Viele von ihnen bringen dort ihre Kinder zur Welt – ohne Privatsphäre, ohne ausreichende medizinische Begleitung, oft traumatisiert von Gewalt und Verlust.
Von Beginn an versuchte das Team, die Situation systematisch zu erfassen: Wer ist schwanger? Wer braucht dringend medizinische Hilfe? Wo fehlt es an Nahrung, Medikamenten, Schutz? Daraus entstanden konkrete Unterstützungsangebote – einfache Mahlzeiten in Aufnahmezentren, Orte der Stabilität und Zuwendung, Spiel- und Freizeitangebote für Kinder, um Angst zumindest für kurze Momente zu lindern. Auch ältere Menschen und Personen mit akutem medizinischem Bedarf werden mit Medikamenten versorgt.
Alle sieben Frauen engagieren sich ehrenamtlich – und sind selbst von der Krise betroffen. Um sie in dieser anspruchsvollen Rolle zu stärken, arbeitet „Laith“ eng mit OlamAid zusammen. In Online-Trainings, die gemeinsam mit der Israel Midwives Association konzipiert wurden, erhalten die Ehrenamtlichen fachliche Unterstützung. Die Trainings werden von einer drusischen Psychologin sowie von einer drusischen Hebamme aus Deutschland und Frankreich durchgeführt und decken Themen wie Selbstfürsorge, psychologische Erste Hilfe, den Umgang mit traumatisierten Menschen sowie Schwangerschaft, Geburt und die sensible Zeit danach ab. Das Wissen hilft ihnen, andere professioneller zu begleiten – und zugleich selbst Wege zu finden, mit dem Erlebten umzugehen.
Das Frauenteam „Laith“ steht für leise, entschlossene Solidarität. Für Menschlichkeit, geboren aus Schmerz. Und für die Überzeugung, dass Hoffnung dort beginnt, wo Menschen füreinander einstehen – selbst dann, wenn das eigene Leben gerade stillsteht.